Neuseeland

Far, far north

Den fernen Norden Neuseelands (also praktisch alles was sich oberhalb Aucklands befindet) mochte ich schon immer sehr gerne. Die Städte werden je weiter man gen Norden fährt immer kleiner, die Landschaft immer weiter und die Population immer übersichtlicher.
Paihia an der Bay of Islands ist der größte Touristenort der Gegend, viel weiter nördlich fahren die meisten Besucher dann oft nur noch innerhalb eines Tagesausflugs.

Auch mir ging das bisher immer so, entweder aus Zeitgründen oder aufgrund fehlender Mobilität. Dieses Mal wollte ich das aber ändern und wirklich mal längere Zeit für die Erforschung des Nordens aufbringen.
Das größte Problem war dabei der fahrbare Untersatz, bzw. war das mein persönliches Problem, nicht dass es in Auckland nicht ausreichend Autovermieter gäbe.
Obwohl ich kurz nach der Führerscheinprüfung für einige Jahre ein gern und oft gefahrenes eigenes Auto besessen hatte, saß ich in den letzten Jahren immer seltener selbst hinterm Steuer. Das Fahren in größeren Städten gehörte überhaupt nie zu meiner Fahrpraxis, das Fahren auf der linken Straßenseite sowieso nicht.
Ich musste daher sehr mit mir kämpfen, habe dann aber irgendwann eingesehen, dass es sehr schwer und umständlich, bzw. zu einem gewissen Grad unmöglich ist, sich im Norden mit Bussen fortzubewegen. Also hieß es Zähne zusammenbeißen und mit einem kleinen, roten Mietwagen todesmutig in den Linksverkehr wagen.
Ich bin unheimlich froh, dass ich das gemacht habe. Nach einiger Verwirrung aufgrund der seitenverkehrten Scheibenwischer/ Blinker Anbringung, bin ich dann tatsächlich sehr gut klargekommen. Ich war auch überaus gut vorbereitet und hatte die erste Strecke von Auckland nach Paihia vorher mit Google Maps schon fast auswendig gelernt. Sie war auch nicht wirklich kompliziert, immer geradeaus und ganze dreimal irgendwo abbiegen, davon nur einmal rechts 😉 .

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Auckland hatte ich schnell hinter mir gelassen und die Straßen im Norden waren gut und wenig befahren. Landstraßenfahren ist absolut mein Ding und mein Gehirn hatte scheinbar schon in den Wochen als Fußgänger auf die linke Seite umgeschalten.
Mein erstes Ziel war also Paihia wo ich nach vielen Kaffeepausen dann auch gut ankam.
Gewohnt habe ich etwas außerhalb an den Haururu Falls, aber kein Problem ich war ja nun mobil.

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Wenn man in der Bay of Islands ist, ist ein Bootsausflug fast sowas wie ein heiliges Gesetz und ich habe es gerne befolgt.

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Erst einmal ging es mit der Fähre ins nahegelegene Russell, ehemaliges „Hellhole of the Pacific“ und heute ein netter kleiner Ort mit Promenade und vielen Straßencafes. Heutzutage scheint das weit einträglicher zu sein als Walfang und Grogschmuggel.

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Der Ort ist nicht besonders groß und ein Besuch der historischen Kirche…

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…und des Flagstaff Hill Aussichtspunkts…

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…passen locker in einen Vormittag.

Am Nachmittag starten dann von Russell aus die Touren durch die Bucht die aus zig kleinen, strahlend grünen Inseln besteht.

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Delphine gibt es dort fast das ganze Jahr und wir haben sehr schnell welche entdeckt und hatten dann auch so richtig Glück.
Sie hatten Babys dabei und waren bester Laune was sie durch Sprünge rund ums Boot herum gezeigt haben. Sogar der Kapitän war total begeistert und hat Handyfotos gemacht. Ich weiß nicht warum, aber Delphine haben so etwas an sich, das alle Welt zu Wow- Rufen und aufgeregter Verzückung verleitet (mich absolut eingeschlossen).

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Trotz rauer See war die Fahrt zum Hole-in-the-Rock (was soll man sagen, einem Fels mit Loch) dann obligatorisches Must- See (ich verstehe da die Begeisterung nicht so wirklich).

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Richtig cool war dann aber noch die zufällige Begegnung mit einem Schulschiff dessen jugendliche Besatzung gegen etwas Schokolade für uns bereitwillig einen Haka getanzt hat.

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Fazit: bester Bootsausflug aller Zeiten!

Meinen zweiten Tag in der Bay habe ich mit einer langen Wanderung durchs Mangroven Kiwi Gebiet dann mal wieder etwas sportlicher gestaltet, was auch durchaus nett war.

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Und nötig, denn am nächsten Tag hieß es den ganzen Tag Autofahren.
Die Strecke nach Ahipara wo ich wieder einmal per Airbnb zu einem guten Preis untergekommen bin, ist von Paihia aus eigentlich nicht besonders lang, ich hatte also viel Zeit fürs Zwischenstopps.
Der erste davon war in Kerikeri, wo Neuseelands ältestes Stein- und Holzhaus nebeneinander stehen.

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Knapp 200 Jahre alte Häuser, die jeden Europäer nur müde lächeln lassen, sind hier eine große Ausnahme und werden dementsprechend mit einem kleinen Museum und einer Führung gewürdigt.
Was richtig cool war, ist das sie dort auch die Gästebücher aufbewahren und ich habe ihn tatsächlich gefunden: meinen Eintrag von 2006 in etwas holprigen Englisch. Ich, die beiden Damen in zeitgenössischen Kostümen und eine Australierin die zufällig daneben stand, waren ausgesprochen ergriffen.

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Nach so viel Historie (auch der eigenen) bin ich mit meinem Vitz (wie der Toyota Yaris in Asien bezeichnet wird) ins Hinterland bzw. auf die wenig befahrene Küstenstraße abgebogen.

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Diese ist so wenig genutzt, dass sich die vereinzelten Autofahrer dort mit Handzeichen grüßen.

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Der Umweg war es absolut wert, die Buchten und Ausblicke dort sind der Hammer.

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Der Vitz hat sich am Berg zwar ziemlich gequält (und es war äußerst bergig) aber ich hatte ja keine Eile. Auch für einen ausgedehnten Stop auf eine Portion Fish and Chips im Fischerort Mangonui (angeblich die Weltbesten und wer könnte das auch widerlegen) war noch Zeit.

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Irgendwann Abends kam ich dann in Ahipara an.
Ahipara liegt am Anfang des Ninety Mile Beach, der aber ungefähr 90 Kilometer lang ist was nicht weniger beeindruckend ist.

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Wieder war das Airbnb Zimmer bei dem netten Pärchen im mittleren Alter eine gute Entscheidung. Schon aufgrund des anhänglichen Mr Greypuss (hier auf der Couch zu sehen) mit dem ich in der letzten Nacht alleine das Haus gehütet habe und der mir nicht mehr vom Schoß gewichen ist.

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Im absoluten Norden ist dann wirklich nicht mehr viel zu tun, außer sich die Natur dort anzuschauen.
Die einzige museumsähnliche Institution, ist der Gumdiggers Park.
Ich bin nicht sicher ob die Gumdiggerei ein Wirtschaftszweig ist, den es nur in Neuseeland gab, bisher hatte ich noch nie etwas davon gehört.
Vor ungefähr 50.000 Jahren hat eine unbekannte Ursache ein riesiges Waldgebiet im neuseeländischen Norden vernichtet. Die umgestürzten Kauri Bäume wurde aufgrund der dortigen Bodenbeschaffenheit konserviert. Nachdem die Goldgräberei in Neuseeland abgeebbt war, kam irgendwer auf die Idee die fossilen Harzbrocken (das Kauri Gum) das dort überall noch im Boden war, gewinnbringend für die Herstellung von Lacken nach England zu verschiffen. Entwickelt hat sich daraus eine ganze Industrie. Auch heute noch wird das dort gefundene fossile Kauriholz und Gum im kleineren Rahmen verarbeitet.

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Das Freiluft Museum erzählt das Leben der Gumdigger…

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…in einem ehemaligen Gumdigging Gebiet sehr anschaulich nach (muss ein ziemlich anstrengender Mist gewesen sein).

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Nicht weit von diesem Wäldchen entfernt, liegt ein Zugang zum Ninety Mile Beach. Der ist aber eigentlich nie weit weg, wenn man sich auf diesem letzten Zipfel Neuseelands befindet.

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Der Strand ist einfach nur gigantisch und scheint ins Unendliche zu laufen wenn man nach links und rechts schaut.

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Gelegentlich kommt auch mal ein Auto vorbei, wie es sich für eine offizielle Straße gehört. Die Mietwagenfirmen schließen das Fahren dort aber in den meisten Fällen ausdrücklich aus. Wohl aus gutem Grund.

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Ich bin also auf andere Verkehrsmittel ausgewichen, kann aber nur sagen, dass man es sich überlegen sollte ob es wirklich gleich ein zweistündiger Ausritt sein muss. Mir hat mein Hintern noch eine ganze Weile weh getan.

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Das Highlight meines Nordtrips war dann die Fahrt zum Cape Reinga dem (fast) nördlichsten Punkt Neuseelands. Hier kommen zwei Ozeane zusammen und ein uralter Baum bewacht den Eingang zur Unterwelt.

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Ich bin früh losgefahren und konnte mir viel Zeit dort lassen, auch um mal ein paar Wanderwege auszuprobieren.

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Gefunden habe ich dabei eine unglaubliche Bucht. Kristallklares Wasser, kein Mensch oder Zeichen von Zivilisation weit und breit – und das gute Gefühl etwas weitestgehend Unbekanntes entdeckt zu haben.

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Ganz unbekannt ist die Bucht natürlich nicht, aber es ist wohl nur ein sehr, sehr kleiner Teil der Cape Reinga Besucher die auf die Idee kommen diesen Wanderweg der mit fünf Stunden Wegzeit ausgezeichnet ist, einzuschlagen. Bis zur Bucht sind es allerdings nur 30 Minuten und viel weiter bin ich auch nicht gelaufen.
Nicht weit vom Cape Reinga entfernt, befinden sich die riesigen Te Paki Sanddünen die überraschenderweise noch keinen Wikipedia Eintrag haben (dafür muss noch Zeit sein).

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Um die Sache etwas lustiger zu machen, vermieten die Einheimischen dort Sandboards zum rodeln auf den Dünen.

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Da war ich dabei und habe auch gleich einen sensationellen Sturz hingelegt. Es ist aber nur Sand und obwohl das sicher doof aussieht ist stürzen dort absolut kein Problem und macht eher Spaß. Tage später habe ich noch überall Sand gefunden, einschließlich in meinen Ohren.
Das war dann auch das Ende meiner Zeit im absoluten Norden und für mich ging es am nächsten Tag in Richtung Auckland zurück.
Wieder wählte ich als Strecke den Weg durch das Hinterland, was dann auch wirklich recht wild war.

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Eine kleine Autofähre half mir nahe Omapere überzusetzen, wo ich meinen letzten Zwischenstopp hatte.

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In der Nähe von Omapere liegt auch der Waipoua Forrest, wo die meisten, ältesten und größten Kauribäume Neuseelands stehen. Der ca. 1500 Jahre alte Tane Mahuta ist dann auch ein äußerst beeindruckender Anblick, aber auch sonst ist es toll durch die gut präparierte Wege im Wald zu laufen.

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Als allerletztes Highlight meiner Nordreise ist dann noch das Kaurimuseum nebst Indoor Sägewerk und Boarding House in Matakohe zu erwähnen.

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Das Aucklander Motel in dem ich am Ende der Reise abgestiegen bin, war dann im Vergleich zu den Unterkünften im Norden etwas deprimierend, aber ein guter Ort um mich und meinen Kram auf die Cook Inseln vorzubereiten.

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Es hat fast etwas weh getan den Vitz wieder abzugeben, aber das im Norden schmerzlich vermisste Aucklander Sushi war eine angemessene Aufmunterung.

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