Europa

Cementiri de Montjuïc

Es scheint immer etwas morbide das zuzugeben, aber ich mag Friedhöfe: ihre Stimmung, ihre Ruhe, ihre Aussage (die in vielen Fällen „wir lieben dich noch immer“, lautet.)

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Dabei ist es eine relativ sichere Sache, dass unser aller Überreste einmal auf einem solchen enden werden. Jedenfalls wenn wir Glück haben. Es mag natürlich auch sein, dass wir eines derart gewaltsamen oder unvorhersehbaren Todes sterben müssen, dass es keine Überreste mehr zu begraben gibt. Aber über diese Möglichkeiten des eigenen Todes zu sinnieren ist unbequem und wirkt unangebracht.

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Friedhöfe gehören zu den wenigen Plätzen an denen dem nicht so ist. Obwohl in erster Linie dem Gedenken an die Verstorbenen gewidmet, ist hier vor allem die eigene Endlichkeit allgegenwärtig.
Einer dieser Friedhöfe ist der Cementiri de Montjuïc am Rande von Barcelona. Seit 1883 werden hier am Hang des Montjuïc die Toten Barcelonas in protzigen Mausoleen oder einfachen Grabnischen bestattet. Auch im Tode gibt es keine wirkliche Gleichheit.

Ein blutiger Himmel überzog das Labyrinth von Kreuzen und Engeln rund um das große Mausoleum der Vidals auf dem Montjuïc-Friedhof. (…) Der Reihe nach zogen die Trauernden am Verstorbenen vorbei und legten schwarze Rosen auf den Glassarg, bis er so weit bedeckt war, dass man nur noch das Antlitz sah.
— Carlos Ruiz Zafón („Spiel des Engels“)

Ein Ort wie dieser scheint nicht wirklich zu einer Stadt zu passen die so voller Leben steckt. Andererseits passt er wiederrum sehr gut, denn wirklich traurig wirkt der Cementiri de Montjuïc im Grunde nicht.

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Wandert man die terassenförmig angelegten Friedhofswege zur Spitze des Berges hinauf, wird man dabei vom Geschrei der Möwen und vom Rauschen des Meeres begleitet. Der Blick aufs Meer ist eigentlich den Toten vorbehalten, aber sie teilen ihn gerne mit den Lebenden, denn bekanntlich gilt:

Was ihr seid das waren wir. Was wir sind das werdet ihr.
— Beinhaus von Naters im Wallis, Schweiz

Im warmen Licht der spanischen Sonne, ist diese Vorstellung gar nicht mehr ganz so unbequem.

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