Berlin

Into the Tegeler Forst

An Berliner Volkshochschulen wird bekanntlich so manchnes angeboten: Malen, Bauchtanz, Italienisch, Gymnastik – man kennt das ja. Gelegentlich bekomme ich den Weiterbildunsgrappel und überlege welche dieser wertvollen Fertigkeiten wohl in meinem sekundären Bildungsrepertoire noch Platz haben könnten.
Dieses Mal hatte ich etwas ganz Besonderes (und wirklich Hilfreiches) gefunden: einen Survival Kurs in der Wildnis.
Ein bisschen hatte ich zwar Angst vor einem bösen Rüdiger Nehberg Verschnitt der mich zwingt auf dem Bauch durch den Matsch zu robben und dabei Würmer fürs Abendessen zu suchen, aber das Risiko war ich gerne bereit einzugehen.
Auf meinen Wanderungen durch Neuseeland dachte ich oft, dass es mit meinen Überlebensfähigkeiten im Ernstfall nicht weit her ist, selbst das Holzhacken war dabei eine Herausforderung die ich gerne an Andere abgetreten habe 😉 . Ein guter Grund also für genau so einen Kurs in der Wildnis.
Die „Wildnis“ wurde dabei vom Tegeler Forst simuliert, zu dem ich mich dann zu einer äußerst unchristlichen Zeit (7 Uhr) am Samstagmorgen aufgemacht habe. Mit gut zwei Stunden Anreisezeit und gefühlten (oder tatsächlichen) fünf Mal umsteigen, war schon die Anfahrt sehr wild.
Der Kursleiter war dann eine positive Überraschung: Martin Noack der sich als erfahrener Wildnisführer, Outdoor-Spezialist und Rucksackreisender herausgestellt hat und die Begeisterung für diese Themen auch gut vermitteln konnte. Unterstützt wurde er von Peter, einem freundlichen Kletterer der den Kurs noch um ein paar Übungen am Seil etwas aktiver machen sollte.

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Zusammen mit einer bunten Gruppe aus zehn Teilnehmern sollte ich nun also an zwei Tagen alles Lernen was mir im Ernstfall das Überleben in der Wildnis sichern könnte.
Die erste Regel die dabei erklärt wurde, war das Konzept des TWS = trocken, warm und satt (bzw. nicht durstig).
Ein Prinzip, dass ich schon im normalen Leben ständig zu befolgen versuche 🙂 .
Danach wurde eine Mischung diverser Skills vermittelt, unter anderem wie man einen zufällig vorbeilaufenden Hasen mit einem Stück Holz tötet, Fährtenlesen und das Bauen einer Laubhütte.

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Dieses architektonische Meisterwerk haben wir in der Gruppe in tatsächlich in nur ca. 15 Minuten fertig gestellt.
Genächtigt werden sollte dann aber doch unter einer Plane.

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Bevor es Abendessen geben sollte, musste allerdings erstmal Feuer mit dem Magnesiumstein gemacht werden. Für viele (mich eingeschlossen) einer der interessantesten Punkte des Kurses.
Dabei wurde es dann für mich noch mal richtig dramatisch. Nach zig Kursen in zig Jahren war ich nun die Erste die es schaffte, sich beim Zuschneiden der Hölzer so richtig schön in den Finger zu säbeln. Unaufhörlich spritzendes Blut war inklusive.
Naja zum Glück war unser Lehrer im Umgang mit so etwas geschult. Diesen Buchtipp gab es unter anderem noch am nächsten Tag.

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So wurde es dann ein ansehnlicher Verband mit dem ich auch noch die nächsten Tage unterwegs sein sollte.

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Nachdem das Feuer dann brannte, konnte Essen gemacht werden: Knüppelbrot, Fisch in Kohl eingewickelt und in die Glut gelegt und Suppe mit selbst gesammelten Brennesseln – alles super lecker.

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Ein Mitstreiter schaffte es dann noch die Runde mit einem Sixpack vom nahe gelegenem Kaisers etwas aufzulockern.

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Die Nacht verbrachte ich dann doch nicht unter der Plane, sondern zog mit zwei anderen Kursteilnehmern in ein zufällig auf dem Zeltplatz stehendes Festzelt um. Viel wärmer war das zwar auch nicht, aber da am nächsten Tag Niemand wusste wo wir waren, konnten wir wenigstens gut ausschlafen.

Am zweiten Tag ging es dann weiter mit Klettern, Psychologie in Krisensituationen (äußerst interessant: alles ist besser als passiv bleiben), Buchtipps, Wassersammeltipps und dem Bau eines einfachen Wasserfilters. (Was da rauskam habe ich auch getrunken.)

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Alles in allem ein super Wochenende, ab jetzt werde ich immer versuchen trocken, warm und satt zu bleiben 🙂 .