Neuseeland

Doing the Abel Tasman

Da ich in meinen letzten Wochen in Neuseeland noch einmal etwas aktiveres machen wollte als in Cafes abzuhängen, hatte ich mich dazu entschieden den Abel Tasman Track zu wandern.
Dieser ist ein 51 Kilometer langer Wanderweg im Abel Tasman Nationalpark in der Nähe von Nelson.
Das Wasser ist dort türkis und die Strände goldfarbene, von Granitfelsen gesäumte Naturkunstwerke.

Zunächst war aber etwas Vorbereitung nötig. Der Transport und die Unterkünfte mussten gebucht werden und ein wenig besser ausrüsten wollte ich mich auch noch. In Neuseeland ist schließlich gerade Winter und die Temperatur in den Nächten kann schonmal unter Null Grad sinken.
Auf dem Abel Tasman Track gibt es zwar sogenannte Huts in denen man übernachten kann, aber diese sind nur sehr rudimentär ausgestattet. Das heißt es gibt keinen Strom und keine Kochgelegenheiten. Allerdings Aussentoiletten, Trink- und Verbrauchswasser, Gummimatratzen, eine Feuerstelle und wenn man Glück hat auch mal eine Dusche im Wald (natürlich mit kaltem Wasser). Alles was in den Huts passiert, regeln die Wanderer selbst, gelegentlich kommt aber mal ein Hut Warden vorbei und schaut ob alles seine Ordnung hat.
Für mich hieß das also meine komplette Verpflegung, einen Gaskocher und vor allem warme Sachen mitzuschleppen und auch den Müll wieder mit mir rauszutragen (wie doof sind eigentlich nasse Teebeutel).
Das war alles schnell organisiert, nur meine Laufrichtung musste ich noch mal überdenken, da einige Stücke der Strecke nur bei Ebbe begehbar sind und man die nicht unbedingt um 5 Uhr Nachts laufen möchte.

Nachdem ich also Tütensuppen, Haferflocken, Milchpulver, einen Merinoschal, Gaspatrone, Ersatzbatterien, Schlafsackinlet und Funktionsunterwäsche (ich wollte echt nicht frieren 😉 ) besorgt hatte, war ich bereit.
Die Wassertaxifirma hat mich am frühen Morgen mit dem Shuttle in Nelson abgeholt und zum Abel Tasman Park gefahren wo dann in ein Boot umgestiegen wurde.

Nach ein bisschen herumcruisen um die Seehundfelsen ging es dann langsam die Küste nach oben.

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Mein Plan war es mich am nördlichste Ende des Parks absetzen zu lassen und dann praktisch zurück in die Zivilisation zu laufen.

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Das hat auch schon mal gut geklappt und bereits der erste Strand den ich betreten habe, war ein toller Anblick. Die goldene Farbe des Sandes hängt wohl mit dem in den Felsen enthaltenem Granit zusammen.

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Meine erste Tagesstrecke (bzw. Halbtagesstrecke) war auch recht einfach, fast etwas zu einfach.

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Als ich nach zwei Stunden am sogenannten Crossing Point ankam, war ich fast etwas unterfordert. Der Crossing Point ist die Stelle des Tracks die man wirklich ausschließlich nur bei Ebbe überqueren kann. Es gibt zwar noch einige weitere solcher Streckenteile, aber die haben alle noch alternative Umgehungswege. Diese Stelle hat dies nicht und da ich etwas zu früh für die absolute Ebbe dran war, habe ich mich noch eine Weile in die Sonne gesetzt und gelesen.
Schnell kamen noch einige Leute mit ähnlichem Schicksal dazu und bald waren wir zu viert.
Irgendwann wurde es dann aber so langweilig, dass wir uns schon etwas früher an die Überquerung gemacht haben.

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Leider gibt es auch bei Ebbe noch zwei Ströme die barfuss durchquert werden müssen und da wir wie gesagt etwas früh dran waren, ging uns das eiskalte Wasser fast bis zu den Hüften (bzw. mir ging es bis dahin). Die Muschelbänke auf die man dabei zwangsläufig treten musste und die Schwierigkeit die flachste Stelle zu finden, haben die Sache nicht unbedingt schöner gemacht.

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Wir haben eine gute halbe Stunde für die Überquerung gebraucht und mittlerweile hatte ich die „viel zu einfach“ Aussage auch schon längst verworfen.
Zum Glück befand sich das erste Hut aber direkt hinter dem Crossing.
Den Rest des Nachmittags mit einer über dem Campingkocher gekochten Tütensuppe auf dessen sonniger Terrasse verbringen zu können, war die Anstrengung auf jeden Fall wert.

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Am Abend war ich dann mit einem Taiwaner und einem deutschen Abiturienten zu dritt im Hut.
Der Taiwaner hat das Feuer in Gang gehalten und ich habe ein paar Kerzenreste gefunden, die aber nicht wirklich lange gehalten haben, so dass wir auf Stirnlampen umsteigen mussten.
18 Uhr fühlt sich in so einem Hut an wie Mitternacht in der elektrisierten Welt und natürlich hatte keiner daran gedacht Spielkarten mitzunehmen.
Irgendwann sind wir dann beim lustigen „Wer bin ich“ Spiel gelandet, wobei es wirklich schwer war eine Schnittmenge allgemein bekannter Personen mit Jemandem aus Taiwan zu finden.
Der Abiturient hat dann auch den beliebten Klassiker solcher Gelegenheiten gebracht und dem Taiwaner einen allseits unbeliebten, deutschen Diktator auf die Stirn geklebt (hier bitte leichte Fremdscham einfügen).
Um 20 Uhr waren dann alle genervt genug um sofort ins Bett zu gehen.

Der Deutsche hatte am nächsten Morgen kein leichtes Los. Er musste die Überquerung um 6 Uhr morgens im Dunkeln machen, weil er in die Gegenrichtung unterwegs war. Ich habe ihn darum nicht beneidet.

Allerdings war mein Schicksal auch nicht so schön, da es in Strömen geregnet hat. Ich hatte allerdings vorgesorgt und in Ermangelung eines Regencovers, eine große Mülltüte in den Rucksack gesteckt.
Meine Schuhe waren nach zwei Stunden komplett durchweicht, meine Regenjacke hat langsam Wasser durch die Arme gelassen und das war das einzige Foto das ich an diesem Tag (mit Handyregenhülle) im Freien gemacht habe.

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Nach vier Stunden kam ich gegen Mittag auch schon im nächsten Hut an, was zwar sehr früh aber aufgrund des Wetters durchaus willkommen war.
Leider merkte ich schnell, dass es ein sehr großer Fehler gewesen war, den Schlafsack nicht auch in besagte Mülltüte gesteckt zu haben. Er war nicht nur feucht, sondern man musste ihn regelrecht auswringen – sehr unschön wenn man weißt, dass die Nacht nicht unbedingt warm wird.
Und so kam es, dass ich ganze acht Stunden mit einer kleinen Gruppe ebenfalls vollkommen durchnässter Leidensgenossen vorm Feuer verbracht und nichts weiter gemacht habe als mich und meinen Kram zu trocknen.

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Zum Glück war Jemand dabei der Holz hacken konnte, sonst hätten wir sehr schnell ohne Feuer dagesessen.
Trotz allem waren das aber sehr entspannte, unterhaltsame und schöne acht Stunden. Manchmal wurde erzählt, manchmal nur in die Flammen gestarrt und um 19 Uhr ging es zum Schlafen in meinen fast nur noch leicht klammen Schlafsack.
Zu meiner großen Überraschung waren am nächsten Tag auch meine Schuhe trocken…

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…und obwohl es etwas Überwindung gekostet hat, habe ich sogar morgens bei Rauhreif und kaltem Wasser im Wald geduscht.

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Der Morgen war toll…

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…und ich hatte wieder frisch gewaschene Haare, was bei so einer Tour nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit ist.

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Bei dem guten Wetter hat es dann auch wirklich Spaß gemacht, die vielen verschiedenen Aussichten…

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…die der Track…

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…bietet…

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…ausführlich zu bestaunen.

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Die letzte Nacht in einem Hut war dann auch keine große Sache mehr und wurde mit weiteren tollen Aussichten…

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…am nächsten Morgen…

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…belohnt.

Kurz vor Wiedereinzug in die Zivilisation habe ich dann meine letzte Tütensuppe spontan verkocht.

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Um mich anschließend vom Abel Tasman Park zu verabschieden…

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…und im nächsten Supermarkt wieder mit essentiellen Nahrungsmitteln einzudecken.

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Ich hoffe ich komme bald wieder dazu so etwas zu machen, es ist fast schon etwas erschreckend wie viele Dinge man im Alltag als selbstverständlich betrachtet. Gleichzeitig ist es aber auch sehr erfüllend sich Dinge wie Wärme, Verpflegung und sogar Körperhygiene erst verdienen zu müssen. Ich habe selten besser geschlafen als in den drei Nächten auf dem Track.

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